In Oma Krauses Garten lebt ein Eichhörnchen, ein lustiges Tierchen und
gar nicht blöde. Es legt Futtervorräte für schlechte Zeiten an. Da etliche
seiner "Kollegen" an diesem Notgroschen interessiert sind, trifft es
besondere Vorkehrungen: Es legt verschiedene Depots an, damit für den Fall
eines unerlaubten Zugriffs auf die Speisekammer nicht gleich alles Futter
den Besitzer wechselt. Ein, wie wir finden, ziemlich kleveres Vorgehen, solange, wie man sich die Verstecke merken kann.
Oma Krause wohnte unmittelbar nach dem
Krieg in einem der weniger sicheren Bezirke ihrer Stadt. In der Eckkneipe
unter ihrer Wohnung waren nicht selten mehr als 200 Jahre Knast am Tresen
versammelt. Leider arbeiteten die Banken noch nicht, und sie musste die
paar Reichsmark, die sie ins Nachkriegszeitalter hinübergerettet hatte, zu
Hause aufbewahren. Was wäre passiert, wenn sich einer der übel
beleumundeten Kneipengäste versehentlich in ihr bescheidenes Domizil statt
in die Schluckhalle begeben hätte? Nicht auszudenken! Um sicher zu gehen,
versteckte Oma Krause also ihre Kröten nicht an einem einzigen Ort,
sondern verteilte ihr Erspartes auf verschiedene Umschläge, die sie unter
dem Bett, hinter dem Schrank und unter der Spüle deponierte. Wenn sich
nun, so ihre Überlegung, Schränker-Ede oder Zinker-Kalle auf der Suche
nach ihrem Vermögen drei oder vier Minuten dort aufhielten, würden sie mit
Sicherheit nicht alles finden.
Streuung ist wichtig
Was
haben Oma Krause und ihr Eichhörnchen gemeinsam? Ganz einfach! Sie wissen,
wie man mit Risiken umzugehen hat. Beide haben ihr Vermögen gestreut. Wir
haben bereits darauf hingewiesen, dass
Renditeerwartungen, die über das Niveau eines Sparbuchs oder des
Bundesschatzbriefes hinausgehen, automatisch auch Risikoerwartungen sind.
Dem geneigten Leser dieser kleinen Schule der Geldanlage ist bereits klar,
dass wir ihm raten werden, sein Geld zwecks Erzielung einer guten Rendite
in Aktien anzulegen.
Jedes Wertpapier hat ein gewisses Risiko: Die
Firma Flinz und Piepe, deren 16-prozentige Unternehmensanleihe uns unser
Weiser Vermögensberater angesungen hat, könnte zahlungsunfähig werden. Die
Aktien der am Neuen Markt notierten Weltfirma Machreich.com könnten auf
einen Schlag wertlos sein, weil sich ihr Boss mit dem Geld der Aktionäre
in die Karibik verzogen hat und die Gesellschaft pleite ist.
Machen wir
es also wie Oma Krause (na gut, das mit den Umschlägen lassen wir bleiben)
und streuen unser Vermögen. Der von den Weisen verwendete Ausdruck
Streuung (oder noch weiser: Portfoliodiversifikation) bedeutet nichts
anderes als: Lege Dein Geld niemals in nur einer
Anlageform oder gar nur einem Wertpapier an. Verteile das Risiko!
Kurzfristige Geldanlage
Wir haben im letzten Schritt
erwähnt, dass man Geld, dass man in den nächsten fünf Jahren
wahrscheinlich brauchen wird, nicht in Aktien investieren sollte, da
Aktien zwar langfristig gute Renditen bringen, die Aktienkurse kurzfristig
aber stark schwanken können. Wohin also damit? Nach unserer Ansicht kommt dafür nur die festverzinsliche Anlage in Frage. Man packe
einfach einen Notgroschen von ein bis zwei Monatsgehältern aufs Sparbuch
und stecke den Rest in den etwas besser rentierenden Bundesschatzbrief mit
jährlich steigendem Zinssatz. Dieser kann in kleinen Häppchen von 100 EUR
bei jeder Bank und Sparkasse gebührenfrei erworben und bei der
Bundesschuldenverwaltung kostenlos verwahrt werden. Die Laufzeiten dieser
Schätzchen betragen zwar sechs bzw. sieben Jahre, aber nach dem ersten
Jahr kann man pro Monat für 10000 EUR Schatzbriefe völlig risikolos wieder
in Bares umtauschen. Das sollte wohl ausreichen. Wenn man vorhersagen
kann, wann man das Geld benötigt, kann man sich auch festverzinsliche
Wertpapiere mit genau festgelegter Laufzeit wie z.B. Bundesobligationen
zulegen. Manche Banken und Sparkassen bieten Festgeldmodelle oder
Sparbriefe mit besseren Konditionen an. Mehr als geringe Zinsen, die man
zu allem Überfluss bei Überschreitung des persönlichen Freibetrages auch noch versteuern muss, wirft die
festverzinsliche Anlage zur Zeit nicht ab. Ohne Risiko keine hohe
Rendite!
Wir favorisieren zwar die Aktienanlage, sind aber
durch Oma Krause und ihr Eichhörnchen von der Notwendigkeit der Streuung
überzeugt worden. Deshalb haben auch wir einen kleinen Teil unseres
Vermögens festverzinslich angelegt; denn wir wollen uns nicht allein auf
die Anlageform Aktie beschränken. Alles, was wir jedoch auf lange Sicht
nicht benötigen, steckt bei uns in Aktien; denn die bringen, wie wir
gesehen haben, einfach mehr ein.
Nicht nur eine Aktie kaufen!
So weit, so gut! Wir haben ein paar Euro festverzinslich verpackt,
wollen aber mit dem Rest unseres Geldes höhere Renditen erzielen und dabei
auch ein höheres Risiko eingehen. Also ran an den Speck und Aktien von
Volksdaimlerporsch kaufen! Wir sind nämlich fest überzeugt, dass dieser
Autokonzern vor wunderbaren Zeiten steht und seine Aktien sicher steigen
werden. Moment! Haben wir nicht gelernt, dass die Preisfindung am
Aktienmarkt nicht immer rational ist? Und ist es nicht möglich, dass wir
mit unserer Prognose, obwohl wir uns vorher gut über das Unternehmen
informiert haben, schlichtweg falsch liegen? Nein, wir werden nicht alles
auf eine Karte setzen, sondern auch hier den Grundsatz der Streuung
beherzigen. Wir verteilen das Risiko auf verschiedene Aktien. Wir erinnern
uns, dass die Zufallsdepots aus dem letzten Schritt aus jeweils fünf
Aktien bestanden haben. Und das funktioniert offensichtlich hervorragend!
Tatsächlich ist es ein guter Erfahrungswert, dass man mindestens fünf
Papiere im Depot haben sollte, damit Verluste bei einem Papier durch
Gewinne bei den anderen kompensiert werden. Auf lange Sicht erzielt man so
ein sehr schönes Kapitalwachstum.
Aber nicht den Überblick
verlieren!
Man soll es mit der Streuung auch nicht übertreiben. Ein
gutes Beispiel dafür ist der blöde Köter des Neffen Ferdinand. Der vergräbt
nämlich alle seine Knochen in Oma Krauses Garten, und zwar alle an
verschiedenen Stellen. Dass er dabei rasch den Überblick verliert und
trotz seines guten Geruchssinns nicht alle wiederfindet, ist klar. Man
merke: Wenn man nicht all seine Zeit mit der Kontrolle seines Vermögens
verbringen will, sollte man sich auf eine bestimmte Zahl von Unternehmen,
deren Aktien man hält, beschränken. Auch hier gibt es einen bewährten
Leitsatz: Um den Überblick zu behalten, sollten es nicht viel mehr als
zehn sein.
Oma Krauses Gedanken zum Thema Risiko
Übrigens
hat sich Oma Krause auch Gedanken über die mit der Investition in Aktien
verbundenen Risiken gemacht. Da sie kein Englisch spricht und Fremdwörter
nicht mag, bevorzugt sie das schöne deutsche Verb "anlegen". "Wenn man
sein Geld in Aktien eines Unternehmens anlegt", sagt sie, "hat man sich
auch damit festgelegt. Man ist doch eigentlich Unternehmer geworden. Man
legt sich also darauf fest, die Chancen ‚seines' Unternehmens positiv zu
bewerten. Gleichzeitig hat man sich auch selbst angelegt, und zwar mit
allen Konkurrenten dieser Firma; denn die wollen besser abschneiden als
die von mir favorisierte Gesellschaft. Wie das ausgeht, kann man nicht
genau vorhersagen. Dort liegt wohl eines der Risiken." Danke, Oma Krause!
Über diese verschiedenen Bedeutungen der deutschen Wörter "anlegen" und
"festlegen" hatten wir gar nicht so genau nachgedacht. Das ist eine gute
Illustration der Risiken.
Und was tun?
Wie
geht man nun mit dem Risiko um? Erstens streut man es. Zweitens kauft
man keine Aktien, ohne sich vorher ausreichend Gedanken gemacht zu haben.
Wenn man danach mit seiner Investitionsidee nicht völlig zufrieden ist,
lässt man es bleiben und sucht nach einer besseren Möglichkeit. Im
Gegensatz zum Spieler im Kasino setzt man nicht einfach auf ein
Unternehmen. Man kann zwar die Zukunft nicht vorhersagen, aber man kann eine ausgewogene Einschätzung vornehmen. Dies in Verbindung mit der Streuung der Risiken und viel
Geduld lässt ihn auf lange Sicht keine Verluste, sondern viele schöne
Gewinne machen.
Was tun eigentlich die Weisen Geldverwalter, wenn
wir ihnen unsere Ersparnisse anvertrauen? Das erfahren wir im nächsten Schritt.