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Erste Schritte zur Geldanlage
 
Schritt 8: Wie die Weisen unser Geld verwalten

Die Weisen wissen, dass viele sich nicht trauen, in Aktien zu investieren. (Das sind diejenigen, die die Schritte fünf und sechs übersprungen haben.) Ebenso freut es sie, dass die meisten Anlager meinen, für eine Anlageentscheidung brauche man sehr viel Zeit. Damit das auch so bleibt, erklären sie uns immer wieder in Werbespots, Zeitungsanzeigen und Interviews, wie schwierig und zeitaufwendig die ganze finanzielle Angelegenheit ist.

Um die Kompliziertheit der Materie zu demonstrieren, benutzen sie einen schwer verständlichen, mit englischen Fachausdrücken durchsetzten Jargon. "Was, Sie Idiot? Sie wollen etwas über den Aktienhandel erfahren und wissen nicht was eine PE-Ratio ist? Lernen Sie erst mal anständig Finanzisch, damit Sie überhaupt mitreden können." Lässt man die Botschaften der Weisen auf sich einwirken, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass man für die Aktienanlage einfach zu blöde ist. Und zu wenig Kohle hat man sowieso: "Was, Sie wollen nur 10000 Euro in Aktien anlegen? Da können Sie doch gar nicht richtig diversifizieren. Das ist viel zu gefährlich!" Ist es nicht bemerkenswert, wie bedrohlich ein Fremdwort für das schöne Wort "Streuung" klingen kann, wenn es aus dem Mund der Weisen kommt?

Das Angebot der Weisen

Für die Profis ist das praktisch; denn wenn sie uns von unserer Unzulänglichkeit überzeugt haben, können sie uns endlich ihre unverzichtbaren Dienste anbieten. Sie haben nämlich etwas sehr Schönes, den Aktienfonds, erfunden. Seine Idee ist eigentlich ganz einfach: Viele Kleinanleger -so nennt man gerne diskriminierend die armen Proleten mit weniger als einer Million auf der hohen Kante - zahlen einmalig oder regelmäßig kleine Beträge in einen großen Topf, den so genannten Fonds (sprich: fon mit nasalem n und ohne s) ein. Dafür erhalten sie Anteile am Fonds. Das Geld aus diesem Topf wird dann von den Weisen verwaltet, die dafür (breit gestreut!) Aktien kaufen, diese anständig steigen lassen und mit großem Gewinn weiterverhökern. Dann werden wieder neue, unterbewertete Aktien gekauft, und das Spiel geht von vorne los. Da das Fondsvermögen wegen dieser professionellen Verwaltung langfristig steigt, erhöht sich auch der Wert der Fondsanteile der Kleinanleger. Ein genialer Plan!

Wirklich genial! Aber das funktioniert natürlich nur, wenn die Weisen ihr ganzes Wissen und ihre teure Zeit nur der Verwaltung des Fonds widmen. Weise ausgedrückt heißt das "professionelles Fondsmanagement". Management bedeutet, dass dieses Team von Experten, die Fondsmanager, ständig gut aufpasst, dass ja keine der Aktien sich schlecht benimmt und etwa nicht mehr so schön steigt, wie man sich das vorgestellt hat, oder gar zu fallen droht. Dann wird sie gnadenlos aus dem Fonds geworfen. Später, wenn sie billiger geworden ist, kann man sie ja listig, listig wieder zurückkaufen. Und natürlich muss das Managementteam jeden Tag an der Börse nachschauen, ob nicht irgendein Schnäppchen zu erstehen ist. Ein anstrengender Job, aber notwendig, da er der Wertentwicklung dient. Der Leser merkt es: Diese Arbeit ist wichtig! Da ist es doch nur gerecht, wenn die Fondsmanager und die Gesellschaft, die diesen Fonds als eines ihrer vielen Angebote vermarktet, dafür vernünftig bezahlt werden.

Leistung muss belohnt werden!

Ja, das klingt anständig. Wenn sie es schaffen, eine gute Wertentwicklung zustande zu bringen, sollen sie dafür auch belohnt werden. Wie sehen diese Belohnungen aus? Nun, da ist zunächst einmal der so genannte "Ausgabeaufschlag". In Deutschland beträgt er typischerweise zwischen vier und sechs Prozent. Was das heißt? Ganz einfach: Wer für 100 Euro Anteile eines Fonds mit fünf Prozent Ausgabeaufschlag kauft, zahlt 95 Euro in den großen Topf. Von den restlichen fünf Euro geht ein bestimmter Prozentsatz an die Bank, die dem Kunden den Fonds verkauft hat. Das ist ein Honorar für so genannte Beratungsleistung. Was dann übrig bleibt, geht an die Fondsgesellschaft, denn die muss ja die Fondsmanager bezahlen und außerdem ihre Werbung finanzieren, damit noch mehr Leute Anteile an dem schönen Fonds kaufen können. Weil der Kunde einen solchen Anteil nach dem Kauf in der Regel viele Jahre nicht anrührt und einfach in seinem Depot liegen lässt, die Fondsmanager aber immer noch die ganze Zeit aufpassen, wird darüber hinaus eine jährliche Verwaltungsgebühr fällig, die meistens ungefähr ein Prozent beträgt. Davon merkt der Kunde nichts, da sie direkt dem Fondsvermögen entnommen wird und damit lediglich den Wert eines Anteils geringfügig schmälert.

Und wie misst man die Leistung der Profis?

Eigentlich gar kein Problem! Leistung muss bezahlt werden, und gute Leistung wird gut bezahlt! Woran kann man die Leistung eines Managementteams messen? Damit wären wir wieder beim DAX, dem Deutschen Aktienindex. Dieser dient als Maß für die Wertentwicklung der Aktien der 30 größten Aktiengesellschaften Deutschlands. Seinen Wert kann jeder täglich in der Zeitung nachlesen oder, wenn er es wirklich ganz genau wissen will, immer aktuell während der Börsensitzungen, so nennt man das Handelsgeschehen, auf der Website der Deutschen Börse erfahren. Wenn man allgemein von der Marktentwicklung spricht, meint man eigentlich den DAX. Er repräsentiert quasi den Marktdurchschnitt. Die meisten Aktienfonds, die in deutsche Aktien investieren, versprechen in ihren Werbebroschüren, dass sie sich am DAX orientieren und ihn, da sie ja von den Weisen verwaltet werden, zu schlagen versuchen. "Den DAX schlagen" bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass sie ein armes, unter Naturschutz stehendes Säugetier verprügeln wollen, sondern dass ihr Fonds in seiner Wertentwicklung besser als der DAX sein soll. Von Oma Krause und ihrem Kanarienvogel (und natürlich vom Deutschen Aktieninstitut) haben wir gelernt, dass man selbst mit Depots aus fünf willkürlich ausgewählten Aktien im Zehnjahreszeitraum eine gute Rendite erzielt. Von einem professionell verwalteten Fonds muss man also mehr, viel mehr erwarten. Die Profis haben nämlich bessere Werkzeuge als Zufallsgeneratoren.

Wie gut sind unsere Fondsmanager?

Bei einem saftigen Ausgabeaufschlag und einer jährlichen Verwaltungsgebühr sollte man eigentlich meinen, dass dies ohne weiteres möglich ist; denn schließlich hat der Käufer der Fondsanteile genug an die Weisen für ihr Können und ihre Arbeit bezahlt. Jeder Anleger, der dieses Kapitel liest, wird vermuten, dass jetzt der Haken des ganzen genialen Fondsplans kommt. Und, richtig! Normalerweise schneiden nämlich über 80% aller Deutschen Aktienfonds in Fünf- und Zehnjahreszeiträumen schlechter ab als der DAX, als der Marktdurchschnitt also!

Bei den Gebühren, die man für die Weise Vermögensverwaltung bezahlt, kann man mehr Leistung erwarten. Oder etwa nicht? Es müssten sich auch alle über diesen Sachverhalt aufregen. Aber weit gefehlt! Regelmäßig werden im Wirtschaftsteil der Zeitungen und im Fernsehen die einschlägigen Zahlen veröffentlicht, aber der kollektive Aufschrei der Kleinanleger bleibt aus. Vielmehr lassen sich Jahr für Jahr mehr Deutsche auf diese Art und Weise ausnehmen, indem sie für unterdurchschnittliche Wertentwicklung horrende Gebühren bezahlen. Wir haben dafür keine schlüssige Erklärung. Vielleicht wollen die Leute ja wirklich über den Tisch gezogen werden?

Kann man nicht einfach die besten Fonds auswählen?

Der noch nicht vollständig konvertierte Leser mag nun einwenden, man müsse dann doch nur einen der Fonds aus der erlesenen Gesellschaft derer kaufen, die besser als der Index performen (Wir wollten unbedingt das Weise Wort für Wertentwicklung erwähnen: Performance!). Es könne doch nicht so schwierig sein, einen der 20% besser abschneidenden Fonds zu erstehen. Auch das stimmt leider nicht. Die Statistik zeigt, dass kaum ein Fonds es schafft, langfristig besser als der DAX dazustehen. Vielmehr sieht es so aus, dass ein Fonds der in einem Jahr zu den besten seiner Klasse gehörte, im nächsten Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit zu den Schwächlingen zählt. Wie heißt es so schön im Kleingedruckten vieler Fondsbroschüren? "Die Wertentwicklung der Fondsanteile in der Vergangenheit ist keinerlei Garantie für künftige Wertentwicklung."

80% aller Fonds sind schlechter als der Markt. Das ist Fakt!

Mit anderen Worten: Wenn man in der Lage ist, einfach den Marktdurchschnitt, nämlich den DAX, zu kaufen, schlägt man automatisch 80% aller hoch bezahlten Profis über einen Zeitraum von fünf Jahren! Habt Ihr gemerkt, dass in diesem Satz kein Konjunktiv enthalten ist? Dies sollte Euch neugierig auf den achten Schritt machen. Es ist phantastisch. In welchem anderen Bereich des täglichen Lebens kann ein untrainierter Amateur die überwältigende Mehrheit der Profis schlagen? Eine Gehirnoperation in der Garage würde sicherlich niemand ernsthaft versuchen.

Als Weise Begründung für das konsequent schlechte Abschneiden der Fondsmanager muss die so genannte Theorie von der Effizienz der Märkte herhalten: Selbst die Profis, denen alle Nachrichten und Informationen auf Knopfdruck binnen Sekundenschnelle zur Verfügung stehen, können sich angeblich keinen Vorteil gegenüber dem Rest des Marktes verschaffen. Das mag für Fondsmanager zutreffen, die dem starken Rechtfertigungsdruck seitens der interessierten Öffentlichkeit, der Investoren und der Vorgesetzten ausgesetzt sind. Sie müssen auf die kurzfristige Performance achten und so ziemlich jeden Firlefanz im täglichen Auf und Ab der Märkte mitmachen. Mit unserer Langzeitstrategie sind wir diesem Druck nicht ausgesetzt und können das hektische Getue der Masse ignorieren.

Oma Krause hat übrigens keinerlei Ärger mit Aktienfonds; denn sie besitzt keine Fondsanteile. Vor kurzem hat sie angefangen, sich an der Börse zu engagieren. Sie kennt nämlich einen Fondsmanager, der ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert und ihr etwas besseres empfohlen hat. Dieser Fondsmanager ist kein anderer als ihr Neffe Ferdinand. Was er ihr geraten hat, erfahren wir im nächsten Schritt über die schmerzfreie Aktienanlage für Faulpelze.

Schritt   1: Einführung
Schritt   2: Was bedeutet Geldanlage eigentlich?
Schritt   3: Das Wunder des Zinseszinseffektes
Schritt   4: Ziele setzen und runter mit den Schulden
Schritt   5: Die Legende vom Lottogewinn
Schritt   6: Kleinanleger an die Börse!
Schritt   7: Vom Umgang mit dem Risiko
Schritt   8: Wie die Weisen unser Geld verwalten
Schritt   9: Besser als die Weisen
Schritt 10: Zusammenfassung