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Aktien und Börse
 
Punkt 3: Ausländische Aktien

Nachdem wir im letzten Abschnitt einen Blick auf den deutschen Teil der Börsenspeisekarte geworfen haben, wollen wir uns in den folgenden Absätzen einen Teil des "fremdländischen" Angebotes ansehen. Manch einem unserer Leser mag es ergangen sein wie dem Verfasser dieser Zeilen: Als er (lang, lang ist’s her...) noch vom Weisen Kundenberater seines damaligen Geldinstitutes mit "gutem Rat" versorgt wurde, erhielt er folgende Antwort auf die Frage, wie es denn mit der Anlage in internationalen Aktien aussähe: "Aber Herr **** (Der Name ist der Redaktion bekannt!), das ist doch alles viel zu riskant! Über Auslandsaktien bekommen Sie hier bei uns kaum Informationen, und der Handel an ausländischen Börsen ist für Sie als Privatmann doch viel zu teuer. Bleiben Sie lieber bei deutschen Aktien, da finden Sie genug gute Unternehmen. Außerdem können wir Sie auch viel besser beraten. Und wenn Sie an ausländischen Märkten interessiert sind, kaufen Sie besser einen Fonds..."

In dieser kurzen Aussage steckt so viel Weisheit, dass wir es uns nicht verkneifen können, detailliert Stellung zu nehmen. Wenn man sich nicht für kleine Firmen, sondern für internationale Spitzenunternehmen interessiert, gilt:

  • Wer die englische Sprache halbwegs beherrscht, hat keinerlei Probleme, sich Informationen über große ausländische Unternehmen zu beschaffen. Fast alle großen internationalen Gesellschaften geben zumindest eine englische Version ihres Jahresberichtes heraus. Viele haben englischsprachige Websites, denen man alle wichtigen Informationen über Unternehmenszweck, Geschäftsbereiche, Bilanzkennzahlen etc. entnehmen kann. Es kostet nur wenig Zeit sich an den englischen Finanzjargon zu gewöhnen. Übrigens ist die Informationspolitik vieler ausländischer AGs wesentlich besser und offener als die ihrer deutschen Mitbewerber. Dies trifft insbesondere auf "public companies" aus den Vereinigten Staaten zu. Auch sind öffentlich zugängliche Informationsquellen im Internet zu finden. Wer kein Englisch spricht, wird in überregionalen deutschen Tageszeitungen (Welt, Handelsblatt, FAZ etc.) regelmäßig und ausführlich über internationale Unternehmen informiert. Übrigens kann man natürlich gelegentlich hier bei uns vorbeischauen, denn über unsere Empfehlungen haben wir einen recht guten verlinkten Draht zu Auslandsmärkten.

  • Im Zeitalter des Euro ist es kein Problem, sich Aktien europäischer Spitzenfirmen ins Depot zu legen, denn die europäischen Börsen wachsen allmählich zusammen. Internationale Blue Chips und viele andere weltweite Aktientitel werden übrigens auch in Deutschland, insbesondere in Berlin, gehandelt. Es gibt also kein Gebührenproblem mehr. Aufgrund der manchmal geringen Umsätze empfehlen sich aber Orders mit Limit. Außerdem gibt es bereits Discountbroker, die ohne Aufpreis den Handel an fast allen europäischen Börsenplätzen anbieten. Dies kann hilfreich sein, wenn das Handelsvolumen an deutschen Börsen zu klein ist. Auch der Kauf amerikanischer Aktien ist an deutschen Börsen heutzutage kein Problem mehr, und wer lieber direkt in den USA kauft, findet preiswerte Gebührenmodelle deutscher Discountbroker, die mit amerikanischen Partnern kooperieren.

Nachdem wir nun die beliebtesten Einwände gegen den Kauf ausländischer Dividendenpapiere zerstreut haben, möchten wir durch hinterhältige Fragen ein paar Argumente für den Kauf internationaler Aktien liefern:

  • Keine Frage, deutsche Aktien gehören als Grundausstattung in jedes Depot. Wer jedoch den Rat zur Streuung seiner Wertpapieranlagen beherzigen und seine Aktien über verschiedene Branchen streuen will, hat schnell ein Problem. Während man sich z.B. in der Branche Software (SAP) an einem Unternehmen beteiligen kann, das zur Weltspitze zählt, wird dies im Bereich Konsumgüter nur schwer gelingen: Warum sollte man sein Geld in den lahmen Brauseladen, der SchwippSchwapp-Limo produziert, investieren, wenn man stattdessen Anteile des Weltmarktführers Coca Cola kaufen kann?
    Deutschland - Weltauswahl 1:1

  • Viele wollen vom Handyboom profitieren. Warum sollte man sich deshalb nicht die erfolgreichste Herstellerin (die finnische Nokia) zulegen?
    Deutschland - Weltauswahl 0:1

Überzeugt? Wenn ja, besteht vielleicht Interesse an ein paar weiteren Anmerkungen.

Europäische Aktien

Als Messlatte für die Wertentwicklung des Aktienmarktes in Europa haben sich, vergleichbar zum DAX die Indizes der EUROSTOXX-Familie durchgesetzt. Weitere Informationen dazu finden sich unter http://www.stoxx.com/. Für uns Kleinanleger sind wahrscheinlich der EURO-STOXX 50 (für die Eurozone) und der STOXX 50 (Europa gesamt) am interessantesten. In diesen Indizes finden sich neben den größten deutschen AGs Weltunternehmen wie die britisch-niederländische Royal Dutch (Shell) oder die französische LVMH (Schon einmal von Louis Vuitton, Christian Dior, Moët & Chandon, Pommery oder Hennessy gehört?). Alle Aktien beider Indizes werden in Frankfurt gehandelt. Deutsche Banken bieten übrigens auch Indexzertifikate für die STOXX-Familie an. Sie sind eine interessante Alternative zu europäischen Aktienfonds, deren Gebührenstruktur und Wertentwicklung genauso abschneidet wie rein deutsche Fonds.

Eine europäische Aktienkultur ist derzeit im Entstehen. Vergleicht man die Verhältnisse in Kontinentaleuropa mit denen in den USA, fällt schnell auf, dass bei uns noch einiges zu verbessern ist: Häufig geben die Gesellschaften relevante Informationen zur Bewertung ihrer Papiere lediglich an die Weisen Großinvestoren und lassen uns Kleinanleger links liegen. So haben z.B. zwar mittlerweile alle EURO-STOXX-Mitglieder zumindest englische Websites, aber bei weitem nicht jede Gesellschaft liefert alle Informationen, die für eine zuverlässige Bewertung ihrer Aktien nötig sind. Auch das Anfordern von Geschäftsberichten, eine der wichtigsten Informationsquellen, gestaltet sich häufig sehr schwierig. Es kann durchaus einen Monat dauern, bis nach einer Anfrage via Telefon oder Internet die Unterlagen tatsächlich im Briefkasten landen.

Fazit: Die Geldanlage in Aktien europäischer Unternehmen wird allmählich interessant. Investoren mit etwas Erfahrung können bereits heute schöne Gewinne mit diesen Papieren machen. Allerdings muss sich die Informationspolitik vieler Unternehmen verbessern.

Amerikanische Aktien

Das Paradies für uns sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Während man über die Kultur in den USA durchaus geteilter Meinung sein kann, muss man auf jeden Fall anerkennen, dass die Bedingungen für uns Kleinaktionäre dort ideal sind. Der wichtigste Grundsatz für die Aktienanlage lautet bekanntermaßen:

Triff eine Kaufentscheidung erst dann, wenn Du Dich genau über "Dein" Unternehmen informiert und die Chancen und Risiken abgewogen hast.

Das klappt bei US-Aktien ausgezeichnet. Jedes große Unternehmen gibt ausführliche Informationen über seine Geschäftsentwicklung, seine Bilanzen und Kennziffern. Überall im Internet findet man unabhängige Informationsquellen, die das Einsehen der Finanzdaten über mehrere Jahre ermöglichen. Wir wollen keine Werbung machen, deshalb haben wir alles weiterführende Nützliche unter Empfehlungen zusammengestellt.

Die Möglichkeiten, die die US-Märkte uns Kleinanlegern bieten, sind überwältigend. Wer den Kauf von Blue Chips bevorzugt, wird hier schnell fündig: Weltweit operierende Gesellschaften wie Coca Cola, General Electric, Gilette, Phillip Morris, IBM, Microsoft und AT&T, die für ihre Eigentümer, die Aktionäre, über Jahrzehnte gute Gewinne eingefahren haben, stehen auch auf dem Kurszettel unserer Börsen und sollten eigentlich in deutschen Depots zahlreich vertreten sein. Investoren, die meinen, der Neue Markt in Frankfurt sei die erste Adresse für junge Unternehmen der Hochtechnologie, die bei höherem Risiko auch größere Gewinnchancen bieten, werden spätestens bei der Aufzählung der an der New Yorker Computerbörse NASDAQ gehandelten Aktien zugeben, dass dort eigentlich die Musik spielt.

Die US-Börsen sind der Schrittmacher für alle anderen Finanzmärkte dieser Welt. Kein Wunder, dass die Anzahl der Weisen dort viel größer ist als bei uns. Quantität ist bekanntlich nicht unbedingt mit Qualität gleichzusetzen. Auch in den USA ist die Wertentwicklung von 80% aller aktiv verwalteten Fonds schlechter als die der Marktindizes. Deshalb sind Indexfonds, die lediglich den wichtigen S&P-Index der 500 größten US-Aktiengesellschaften nachbilden, sehr beliebt, da für sie keinerlei Ausgabeaufschläge und nur geringe Verwaltungsgebühren erhoben werden. Deutsche Anleger können Indexzertifikate auf den S&P 500 oder auf den technologielastigen NASDAQ-Index kaufen.

Fazit: Auch für deutsche Anleger lohnt sich der Blick an die US-Märkte.

Punkt   1: Einführung
Punkt   2: Deutsche Aktien
Punkt   3: Ausländische Aktien