Nachdem wir im letzten Abschnitt einen Blick auf den deutschen Teil der
Börsenspeisekarte geworfen haben, wollen wir uns in den folgenden Absätzen
einen Teil des "fremdländischen" Angebotes ansehen. Manch einem unserer
Leser mag es ergangen sein wie dem Verfasser dieser Zeilen: Als er (lang,
lang ist’s her...) noch vom Weisen Kundenberater seines damaligen
Geldinstitutes mit "gutem Rat" versorgt wurde, erhielt er folgende Antwort
auf die Frage, wie es denn mit der Anlage in internationalen Aktien
aussähe: "Aber Herr **** (Der Name ist der Redaktion bekannt!), das ist
doch alles viel zu riskant! Über Auslandsaktien bekommen Sie hier bei uns
kaum Informationen, und der Handel an ausländischen Börsen ist für Sie als
Privatmann doch viel zu teuer. Bleiben Sie lieber bei deutschen Aktien, da
finden Sie genug gute Unternehmen. Außerdem können wir Sie auch viel
besser beraten. Und wenn Sie an ausländischen Märkten interessiert sind,
kaufen Sie besser einen Fonds..."
In dieser kurzen Aussage steckt so viel Weisheit, dass wir es uns nicht verkneifen können, detailliert Stellung zu
nehmen. Wenn man sich nicht für kleine Firmen, sondern für internationale
Spitzenunternehmen interessiert, gilt:
- Wer die englische Sprache halbwegs beherrscht, hat keinerlei
Probleme, sich Informationen über große ausländische Unternehmen zu
beschaffen. Fast alle großen internationalen Gesellschaften geben
zumindest eine englische Version ihres Jahresberichtes heraus. Viele
haben englischsprachige Websites, denen man alle wichtigen Informationen
über Unternehmenszweck, Geschäftsbereiche, Bilanzkennzahlen etc.
entnehmen kann. Es kostet nur wenig Zeit sich an den englischen
Finanzjargon zu gewöhnen. Übrigens ist die Informationspolitik vieler
ausländischer AGs wesentlich besser und offener als die ihrer deutschen
Mitbewerber. Dies trifft insbesondere auf "public companies" aus den
Vereinigten Staaten zu. Auch sind öffentlich zugängliche
Informationsquellen im Internet zu finden. Wer kein
Englisch spricht, wird in überregionalen
deutschen Tageszeitungen (Welt, Handelsblatt, FAZ etc.) regelmäßig
und ausführlich über internationale Unternehmen informiert. Übrigens kann
man natürlich gelegentlich hier bei uns vorbeischauen, denn über unsere Empfehlungen haben wir einen
recht guten verlinkten Draht zu Auslandsmärkten.
- Im Zeitalter des Euro ist es kein Problem, sich Aktien europäischer
Spitzenfirmen ins Depot zu legen, denn die europäischen Börsen wachsen
allmählich zusammen. Internationale Blue Chips und viele andere weltweite Aktientitel werden übrigens auch in
Deutschland, insbesondere in Berlin, gehandelt. Es gibt also kein Gebührenproblem mehr. Aufgrund
der manchmal geringen Umsätze empfehlen sich aber Orders mit Limit.
Außerdem gibt es bereits Discountbroker, die ohne Aufpreis den Handel an
fast allen europäischen Börsenplätzen anbieten. Dies kann hilfreich
sein, wenn das Handelsvolumen an deutschen Börsen zu klein ist. Auch der
Kauf amerikanischer Aktien ist an deutschen Börsen heutzutage kein
Problem mehr, und wer lieber direkt in den USA kauft, findet preiswerte
Gebührenmodelle deutscher Discountbroker, die mit amerikanischen
Partnern kooperieren.
Nachdem wir nun die beliebtesten Einwände gegen den Kauf ausländischer
Dividendenpapiere zerstreut haben, möchten wir durch hinterhältige Fragen
ein paar Argumente für den Kauf
internationaler Aktien liefern:
- Keine Frage, deutsche Aktien gehören als Grundausstattung in jedes
Depot. Wer jedoch den Rat zur Streuung seiner Wertpapieranlagen
beherzigen und seine Aktien über verschiedene Branchen streuen will, hat
schnell ein Problem. Während man sich z.B. in der Branche Software (SAP) an einem Unternehmen beteiligen kann, das
zur Weltspitze zählt, wird dies im Bereich Konsumgüter nur schwer
gelingen: Warum sollte man sein Geld in den lahmen Brauseladen, der
SchwippSchwapp-Limo produziert, investieren, wenn man stattdessen
Anteile des Weltmarktführers Coca Cola kaufen kann?
Deutschland - Weltauswahl
1:1
- Viele wollen vom Handyboom profitieren. Warum sollte man sich
deshalb nicht die erfolgreichste Herstellerin (die
finnische Nokia) zulegen?
Deutschland - Weltauswahl 0:1
Überzeugt? Wenn ja, besteht vielleicht Interesse an ein paar weiteren
Anmerkungen.
Europäische Aktien
Als Messlatte für die Wertentwicklung des Aktienmarktes in Europa haben
sich, vergleichbar zum DAX die Indizes der EUROSTOXX-Familie durchgesetzt.
Weitere Informationen dazu finden sich unter http://www.stoxx.com/. Für uns Kleinanleger sind wahrscheinlich der EURO-STOXX 50 (für die Eurozone) und
der STOXX 50 (Europa gesamt) am interessantesten. In diesen Indizes finden
sich neben den größten deutschen AGs Weltunternehmen wie die
britisch-niederländische Royal Dutch (Shell) oder die französische LVMH
(Schon einmal von Louis Vuitton, Christian Dior, Moët & Chandon,
Pommery oder Hennessy gehört?). Alle Aktien beider Indizes werden in
Frankfurt gehandelt. Deutsche Banken bieten übrigens auch Indexzertifikate
für die STOXX-Familie an. Sie sind eine interessante Alternative zu
europäischen Aktienfonds, deren Gebührenstruktur und Wertentwicklung
genauso abschneidet wie rein deutsche Fonds.
Eine europäische Aktienkultur ist derzeit im Entstehen. Vergleicht man
die Verhältnisse in Kontinentaleuropa mit denen in den USA, fällt schnell
auf, dass bei uns noch einiges zu verbessern ist: Häufig geben die
Gesellschaften relevante Informationen zur Bewertung ihrer Papiere
lediglich an die Weisen Großinvestoren und lassen uns Kleinanleger links
liegen. So haben z.B. zwar mittlerweile alle EURO-STOXX-Mitglieder
zumindest englische Websites, aber bei weitem nicht jede Gesellschaft
liefert alle Informationen, die für eine zuverlässige Bewertung ihrer
Aktien nötig sind. Auch das Anfordern von Geschäftsberichten, eine der
wichtigsten Informationsquellen, gestaltet sich häufig sehr schwierig. Es
kann durchaus einen Monat dauern, bis nach einer Anfrage via Telefon oder
Internet die Unterlagen tatsächlich im Briefkasten landen.
Fazit: Die Geldanlage in Aktien europäischer Unternehmen
wird allmählich interessant. Investoren mit etwas Erfahrung können bereits
heute schöne Gewinne mit diesen Papieren machen. Allerdings muss sich die
Informationspolitik vieler Unternehmen verbessern.
Amerikanische Aktien
Das Paradies für uns sind die Vereinigten
Staaten von Amerika. Während man über die Kultur in den USA durchaus
geteilter Meinung sein kann, muss man auf jeden Fall anerkennen, dass die
Bedingungen für uns Kleinaktionäre dort ideal sind. Der wichtigste
Grundsatz für die Aktienanlage lautet bekanntermaßen:
Triff eine Kaufentscheidung erst dann, wenn Du Dich genau über
"Dein" Unternehmen informiert und die Chancen und Risiken abgewogen
hast.
Das klappt bei US-Aktien ausgezeichnet. Jedes große Unternehmen gibt
ausführliche Informationen über seine Geschäftsentwicklung, seine Bilanzen
und Kennziffern. Überall im Internet findet man unabhängige
Informationsquellen, die das Einsehen der Finanzdaten über mehrere Jahre
ermöglichen. Wir wollen keine Werbung machen, deshalb haben wir alles weiterführende Nützliche unter Empfehlungen zusammengestellt.
Die Möglichkeiten, die die US-Märkte uns Kleinanlegern
bieten, sind überwältigend. Wer den Kauf von Blue Chips bevorzugt, wird
hier schnell fündig: Weltweit operierende Gesellschaften wie Coca Cola,
General Electric, Gilette, Phillip Morris, IBM, Microsoft und AT&T,
die für ihre Eigentümer, die Aktionäre, über Jahrzehnte gute Gewinne
eingefahren haben, stehen auch auf dem Kurszettel unserer Börsen und
sollten eigentlich in deutschen Depots zahlreich vertreten sein.
Investoren, die meinen, der Neue Markt in Frankfurt sei die erste Adresse
für junge Unternehmen der Hochtechnologie, die bei höherem Risiko auch
größere Gewinnchancen bieten, werden spätestens bei der Aufzählung der an
der New Yorker Computerbörse NASDAQ gehandelten Aktien zugeben, dass dort
eigentlich die Musik spielt.
Die US-Börsen sind der Schrittmacher für alle anderen Finanzmärkte
dieser Welt. Kein Wunder, dass die Anzahl der Weisen dort viel größer ist
als bei uns. Quantität ist bekanntlich nicht unbedingt mit Qualität
gleichzusetzen. Auch in den USA ist die Wertentwicklung von 80% aller
aktiv verwalteten Fonds schlechter als die der Marktindizes. Deshalb sind
Indexfonds, die lediglich den wichtigen S&P-Index der 500 größten
US-Aktiengesellschaften nachbilden, sehr beliebt, da für sie keinerlei
Ausgabeaufschläge und nur geringe Verwaltungsgebühren erhoben werden.
Deutsche Anleger können Indexzertifikate auf den S&P 500 oder auf den
technologielastigen NASDAQ-Index kaufen.
Fazit: Auch für deutsche Anleger lohnt sich der Blick an die US-Märkte.