Wie bereits gesagt, müssen sich Deutschlands Geldinstitute schon etwas
einfallen lassen, um an das Geld ihrer Kunden zu kommen; denn mit dem
Ersparten ihrer Kunden wollen sie ja durch Kreditvergabe schöne Gewinne
erzielen. So bieten Banken und Sparkassen häufig Sparbücher mit
mehrjähriger Kündigungsfrist an, die dann sinnvoll sind, wenn ihr Zinssatz
besser ist als der von Bundeswertpapieren mit vergleichbarer Laufzeit. Das
Geld des Sparers ist auch in diesem Fall völlig sicher angelegt, wenn das
Kreditinstitut dem so gennanten Einlagensicherungsfonds angehört.
Selbst wenn die Bude Pleite geht, erhält der Sparer sein Geld zurück. Wer
also ein verlockendes Angebot erhält, sollte sich diesbezüglich
erkundigen.
Wir sagten bereits, dass der Staat (hiermit meinen wir natürlich
Deutschland und nicht die Ukraine) der sicherste Schuldner überhaupt ist.
Weil die Gläubiger der Bundesrepublik nachts ruhig schlafen können, muss
der Bundesfinanzminister weniger Zinsen zahlen als ein Schuldner, bei dem
das Risiko besteht, zahlungsunfähig zu werden. Wie kommen Schuldner mit
weniger Sicherheiten an Kredite? Na klar, sie müssen ihren Gläubigern
höhere Zinssätze bieten, damit bezahlen sie ihren Schuldnern für das mit
der Kreditvergabe verbundene höhere Risiko einen höheren Preis.
Merke: Bei zwei verschiedenen Anleihen gleicher Laufzeit ist die
Anleihe mit dem höheren Zinssatz mit dem größeren Risiko
verbunden.
Oder: Wer uns hohe Zinsen anbietet, verkauft uns gleichzeitig ein
hohes Risiko.
Einem flüchtigen Bekannten aus der Kneipe würden wir bestimmt nicht auf
ein freundliches Rückzahlungsversprechen hin Geld leihen. Wir müssen ihn
schon genauer kennen, wenn wir ihm ein paar Zehner zustecken sollen.
Ähnlich ist es bei Anleihen: Da wir uns bei der festverzinslichen
Geldanlage kein unvertretbar hohes Risiko einhandeln wollen (schließlich
wissen wir ja, wann wir das Geld wieder brauchen), müssen wir uns immer
über den Schuldner informieren. Ist es sicher, dass er uns das Geld am
Laufzeitende zurückzahlen kann? Kann er die jährlichen Zinszahlungen
garantieren? Hat er Sicherheiten? Warum bietet die Firmenanleihe der
"Klingt-Ja-Toll-GmbH", die Kühlschränke an albanische Eskimos verkauft,
einen Zinssatz von 13%, wo doch der Finanzminister gerade einmal 5% zahlt?
Dieser am deutschen Neuen Markt notierte albanische Eskimoladen sollte uns
spanisch vorkommen. Hohe Zinsen = hohes Risiko! Finger weg!
Existieren also außer Sparbüchern und Bundeswertpapieren noch sichere
Anleihen? Wir meinen ja, denn es gibt ja noch die in Deutschland beliebten
Pfandbriefe. Hierbei handelt es sich um Anleihen, hinter denen als
Sicherheit z.B. erstklassige Grundpfandrechte stehen. Hypothekenbanken
nutzen die Ausgabe von Pfandbriefen zur Finanzierung der von ihnen
gewährten Kredite. Als Sicherheit dienen die Häuser und Grundstücke ihrer
Kunden. Häufig ergibt sich auch nach Kauf-, Depot- und Einlösegebühren ein
Zinsvorsprung von einigen Zehntelprozent vor Bundespapieren, den man
getrost mitnehmen kann. Wenn man sich genau informiert, findet man auch
nicht selten Hypotheken- und Pfandbriefbanken, die ihre eigenen Papiere
kostenlos verwahren und diese auch gebührenfrei an ihre Kunden ausgeben.
Ein gutes Beispiel dafür ist die DEPFA.
Pfandbriefe können vor Laufzeitende jederzeit an der Börse verkauft
werden. Die täglichen Handelsvolumen sind hoch, die Liquidität ist
sichergestellt. Deutschland ist einer der größten Märkte für Pfandbriefe
weltweit. Allerdings gibt es auch hier das bereits bei Bundesobligationen
geschilderte Kursrisiko.
Man kann auch über Inhaber-Schuldverschreibungen von Banken und
Sparkassen nachdenken. Zwar sind diese Wertpapiere nicht über den
Einlagensicherungsfonds abgedeckt, aber bei den deutschen Großbanken und
den meisten Sparkassen ist das Risiko einer Pleite vernachlässigbar
(Allerdings schadet es nicht, sich über das Institut zu informieren.).
Häufig verzichten die Geldinstitute auf Gebühren bei ihren eigenen
Angeboten, und ein kleiner Vorsprung vor Bundespapieren ist auch
vorhanden. Auch Inhaberschuldverschreibungen werden an der Börse
gehandelt. Es darf aber bezweifelt werden, dass das Papier der Volksbank
Kleinkleckerdorf über ein ausreichend großes Handelsvolumen verfügt.
Es existiert noch eine Vielzahl anderer Anleihen (Industrieanleihen,
EUR-Auslandsanleihen, Fremdwährungsanleihen, Zerobonds etc.), die wir hier
aber nicht mehr behandeln wollen, da es sich bei ihnen meist um Anleihen
mit höheren Risiken handelt, die für uns schwer
einzuschätzen sind.