Jetzt wollen wir aber endlich wissen, wie das mit den
jährlichen Renditen geht! Erinnern wir uns dazu an unser Beispiel, in dem
wir 5% für 2 Jahre bekommen hatten. Nach 2 Jahren hatten wir 1.000 EUR + 50
EUR + 52,50 EUR = 1.102,50 EUR. Das kann man aber auch anders aufschreiben.
Wir formen unsere Rechnung ein wenig um. Nach einem Jahr haben wir unser
Startguthaben plus Zinsen für ein Jahr. Wenn wir unser Startguthaben
G0 ( G null ) nennen, unser Guthaben am Ende eines Jahres G1 und den
jährlichen Zinssatz p wie Prozent, kann man das so
aufschreiben:
G1 = G0 + Zinsen, oder
G1 = G0 + G0*(p / 100%) ,
was dasselbe ist wie
G1 = G0 * (1 + p / 100%) .
Mit den Zahlen aus unserem Beispiel wäre das
1.050 EUR = 1.000 EUR + 1.000 EUR * (5 / 100) oder
1.050 EUR = 1.000 EUR * (1 + 5 / 100) .
Nach dem zweiten Jahr sieht es verdächtig ähnlich aus, wenn wir das
Guthaben nach 2 Jahren G2 nennen:
G2 = G1 + Zinsen, oder
G2 = G1 + G1 * (p / 100%),
was wiederum dasselbe ist wie
G2 = G1 * (1 + p / 100%) .
Jetzt können wir G1 durch die sehr ähnliche Formel oben ersetzen und
erhalten:
G2 = G0 * (1 + p / 100%) * (1 + p / 100%) oder
G2 = G0 * (1 + p / 100%) hoch 2 .
Nach 3 Jahren würden wir auf dieselbe Art die Formel
G3 = G0 * (1 + p / 100%) hoch 3
ableiten. Die Formeln für verschiedene Jahreszahlen unterscheiden sich
also nur durch den Exponenten (die "Hochzahl") am Ende. Netterweise
ist dieser Exponent immer gleich der Jahreszahl. Das macht
die Sache am Ende wieder einfach! Nach n Jahren haben wir also ein
Guthaben von
Gn = G0 * (1 + p / 100%) hoch n .
Diese Formel vereinfacht sich, wenn wir dem Ausdruck (1 + p / 100%)
einen neuen Namen geben. Wir wollen ihn den jährlichen Wachstumsfaktor
(Wa) nennen. Die Umrechnung ist leicht: Aus einem Zinssatz von z.B. 4%
wird ein Wachstumsfaktor von 1,04 . Aus 12% würden 1,12 als
Wachstumsfaktor. Und aus 100%? Richtig: Wa = 2. Wachstumsfaktoren vereinfachen so ziemlich jede Zins- und
Renditeberechnung enorm. Deshalb werden wir sie im Verlauf der Serie
häufig einsetzen.
Unser Beispiel von vorhin ergibt z.B. einen
Wachstumsfaktor von 1.050 EUR / 1.000 EUR = 1,05. Denkt man sich die 1 und
das Komma weg, hat man die 5% Zinssatz schon vor sich stehen. Die
Berechnung ist mit einem Taschenrechner viel schneller, schließlich ist
nur noch eine Division erforderlich. Aus unserer Zinseszinsformel wird
also
Gn = G0 * Wa hoch n
Bei n Jahren Laufzeit bilden wir also die n-te Potenz des
jährlichen Wachstumsfaktors und multiplizieren das mit dem Startguthaben.
Das Ergebnis ist unser Endguthaben. Der Ausdruck "Wa hoch n" schließlich
bezeichnet das Gesamtwachstum des Startguthabens. Dieser Wert (W)
sagt uns, wievielmal wir das Startguthaben am Ende besitzen.
Nun
geht Oma Krause mit 10.000 EUR zur Bank und läßt ihr Geld für 3 Jahre
festlegen. Sie bekommt einen Zinssatz von 3,5% pro Jahr und läßt die
auflaufenden Zinsen wieder mitverzinsen. Dann kann man das Endguthaben
nach 3 Jahren wie folgt berechnen: Der Wachstumsfaktor ist 1,035, die
Jahreszahl ist 3 und das Startguthaben ist 10.000 EUR. Unsere Formel sagt
uns:
Endguthaben = 10.000 EUR * (1,035 hoch 3) .
Der Taschenrechner klärt uns auf, daß 1,035 hoch 3 = 1,108718 ist, und
dann sagt er uns, daß 10.000 * 1,108718 = 11087,18 ist. Oma Krause wird
also in 3 Jahren 11.087,18 EUR von ihrer Bank zurückbekommen. Jedenfalls,
wenn sie keine Steuern und Gebühren zahlen muß.
Was tun wir nun,
wenn wir am Ende einer Einmalanlage unser Geld zurückbekommen, aber noch
nicht wissen, welchen jährlichen Zinssatz wir eigentlich erhalten haben?
Wir drehen den Spieß, d.h. die Formel, um! Angenommen, wir haben nach 3
Jahren von unserer Bank 1.277 EUR zurückbekommen, nachdem wir zu Beginn
1.000 EUR eingezahlt hatten. Auf unsere Formel bezogen läßt sich das so
ausdrücken: n = 3, G3 = 1.277 EUR und G0 = 1.000 EUR. Wir suchen zunächst
den jährlichen Wachstumsfaktor Wa. Nach unserer Formel oben ist das
Wa = (G3 / G0) hoch (1/n) , oder eben
Wa = (1.277 EUR / 1.000 EUR) hoch 1/3 = 1,0849
Ein scharfer Blick auf diesen Wachstumsfaktor sagt uns: Der jährliche
Zinssatz betrug 8,49% .
Erinnern wir uns der beiden Beispiele mit
Finanzierungsschätzen des Bundes aus dem ersten Teil unserer Serie. Da
hatten wir einen einjährigen Finanzierungsschatz mit einer Rendite von 3%.
Da er genau einjährig war, ist das natürlich auch die jährliche Rendite.
Das andere Beispiel betrachtete einen zweijährigen Finanzierungsschatz mit
insgesamt 6,5% Rendite. Wir zahlten 939 EUR und bekamen später 1.000 EUR
zurück . Das ergibt einen jährlichen Wachstumsfaktor von
Wa = (1.000 EUR / 939 EUR) hoch 1/2 = 1,032
Die jährliche Rendite beträgt also 3,2%. Der zweijährige
Finanzierungsschatz hat eine bessere Rendite als der einjährige in unserem
Beispiel. Man kann sich das so vorstellen, als hätte man nach einem Jahr
Zinsen in Höhe von 30,02 EUR bekommen, und im zweiten Jahr Zinsen in Höhe
von 30,98 EUR.
Die vorgestellten Berechnungen kann man so nur
vornehmen, wenn man eine einmalige Geldanlage tätigt und später alles auf
einmal zurückbekommt. In der Zwischenzeit wird nichts ein- oder
ausgezahlt.
Gerade das häufige Ein- oder Auszahlen passiert jedoch
im täglichen Leben immer wieder, denn schließlich verwenden wir ja
festverzinsliche Anlagen, um Geld zu parken, das wir möglicherweise in ein
paar Monaten oder Jahren benötigen und deshalb nicht langfristig in Aktien
investieren. Wir werden uns deshalb in den nächsten Folgen anschauen, wie
wir in all diesen Fällen die Rendite ermitteln.