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Schritt 5: Leistet mein Geld dasselbe wie ich?
Geht es Euch auch so? Wenn das Portfolio wächst, sind
wir stolz auf unsere Leistung bei der Aktienauswahl. Wenn wir aber Geld
verlieren, hadern wir mit dem Schicksal. Manchmal scheint sich unser
Vermögensstand einfach nicht so entwickeln zu wollen, wie wir uns das
denken. Ich habe einen kleinen Trost für Euch: Wenn der Kontostand nicht
wachsen will, muß das nicht immer nur an Euch liegen. Zwischen unseren
(und Euren) Fähigkeiten bei der Aktienauswahl und der Entwicklung des
Depots besteht nämlich ein Unterschied. Im Großen und Ganzen sind
Fähigkeit und Vermögensentwicklung natürlich verbunden, aber es gibt
Unterschiede.
Was ich damit meine, will ich mit einem drastischen
Beispiel klarmachen. Es besteht zwar nur wenig Aussicht, dass wir
in die beschriebene Lage kommen werden, aber immerhin passiert es
irgendjemandem immer wieder.
Stellen wir uns zwei Lottogewinner
vor, Felix und Klaas. Beide kennen sich an der Börse ein wenig aus. Wir
betrachten 2 Jahre. Zu Beginn des ersten Jahres gewinnt Felix 1 Million
EUR. Er investiert das Geld zusammen mit seinem Ersparten in Höhe von
10.000 EUR in Aktie X. Nach einem Jahr hat sich Aktie X im Wert verdoppelt.
Felix beschließt, das Geld auszugeben und nur 20.000 EUR übrigzulassen.
Wiederum ein Jahr später hat Aktie X ihren Wert leider wieder halbiert.
Insgesamt hat Felix also 1 Million EUR dazugewonnen.
Klaas hat zu
Beginn ebenfalls 10.000 EUR Erspartes in Aktie X gesteckt. Nach dem ersten
Jahr hat er also 20.000 EUR. Dann gewinnt er die berühmte Million im Lotto
und steckt das Geld ebenfalls in X-Aktien. Wie oben beschrieben, fallen
diese jedoch im zweiten Jahr zurück auf ihr Ausgangsniveau. Damit verliert
Klaas nicht nur die zu Beginn gewonnenen 10.000 EUR wieder, er verliert
auch noch 500.000 EUR vom Lottogewinn.
Obwohl beide Lottogewinner
dasselbe Anlageverhalten gezeigt haben, sie haben nämlich beide zur selben
Zeit voll auf X-Aktien gesetzt, haben beide sehr unterschiedliche
Erfahrungen damit gemacht. Das bedeutet, daß wir zwischen der Rendite
unseres Geldes und unserer Leistung bei der Aktienauswahl unterscheiden
müssen. Der Unterschied kommt dadurch zustande, daß beide im Laufe der
Zeit Ein- und Auszahlungen vornehmen. Felix hat das erste Jahr mit
1.010.000 EUR gewichtet, das zweite Jahr nur mit 20.000 EUR. Klaas hat das
erste Jahr nur mit 10.000 EUR Einzahlung gewichtet, dafür das zweite mit
1.020.000 EUR. Da die beiden Jahre unterschiedlich gut für X-Aktien
gelaufen sind, ist das Geldergebnis für beide Anleger
unterschiedlich.
Die Fähigkeiten von Felix und Klaas bei der
Aktienauswahl hängen aber andererseits nicht davon ab, wieviel Geld zu
einem gegebenen Zeitpunkt zufällig zur Verfügung steht. Wir können Klaas
nicht vorwerfen, daß er zur richtigen Zeit wenig Geld und zur falschen
Zeit viel Geld hatte. Genausowenig ist es Felix' Verdienst, im richtigen
Moment viel Geld gehabt zu haben.
Unsere beiden Anleger haben die
Perioden am Aktienmarkt mit unterschiedlich viel Geld gewichtet. Die
Entwicklung des Vermögens misst man daher mit der sog. geldgewichteten
Rendite. Die Leistung bei der Aktienauswahl misst man dagegen mit der
zeitgewichteten Rendite. Diese trennt die Auswahlleistung des
Anlegers von der Entwicklung des Vermögens.
Welche Auswahlleistung
wollen wir Felix und Klaas denn zuschreiben? Sie haben die X-Aktie
ausgewählt, die in den betrachteten zwei Jahren insgesamt eine Entwicklung
von genau +/-0% durchgemacht hat. Intuitiv ergibt es daher einen Sinn,
beiden die Auswahlleistung von 0% über zwei Jahre zuzuschreiben. Das ist
auch tatsächlich die zeitgewichtete Rendite beider Portfolios. Wie
man allgemein Verwaltungsleistung und Vermögensentwicklung trennen kann,
sehen wir in der nächsten Folge. Vorab sei bereits verraten: Es ist gar
nicht so schwer.
Wie kann man die geldgewichtete Rendite
charakterisieren? Stellen wir uns vor, statt X-Aktien hätten unsere beiden
Protagonisten ein Sparkonto gehabt, das immer gleich verzinst worden wäre
und noch dazu mit täglicher Zinsgutschrift ausgestattet wäre. Am Anfang
der beiden Jahre soll es leer gewesen sein, und am Ende soll der
Kontostand dem Depotwert unserer beiden Anleger entsprechen. Natürlich
soll Felix nach einem Jahr 2 Millionen abheben können und Klaas seinen
Gewinn einzahlen. Kurz, die beiden sollen mit diesen Sparkonten genau
dasselbe machen können, wie mit ihrem Aktiendepot, nur dass sie eben keine
Aktien handeln.
Dann suchen wir den Zinssatz, den die Sparkonten
gehabt haben müssen, um eben dieses Ergebnis zu liefern. Das ist die
geldgewichtete Rendite. Zunächst besprechen wir aber die zeitgewichtete Rendite.
Schritt 1: Das 1x1 der Einmalanlagen
Schritt 2: Jährliche
Rendite
Schritt 3: Effektiv statt
nominal
Schritt 4: Anleihen - ein
Beispiel
Schritt 5: Leistet mein Geld
dasselbe wie ich?
Schritt 6: Zeitgewichtete
Rendite
Schritt 7: Woher kommt der
Kontostand?
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