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Schritt 4: Anleihen - ein Beispiel
Wie in der vorhergehenden Folge versprochen, schauen wir
uns nun Beispiele an. Beginnen wir mit einem Bundesschatzbrief vom
Typ B. Das sind die, bei denen die Zinsen nicht ausgezahlt werden,
sondern weiter mitverzinst werden. Bundesschatzbriefe vom Typ B laufen
maximal über 7 Jahre und werden in jedem Jahr etwas höher verzinst als im
vorangegangenen. Für unser Beispiel kaufen wir "Bundesschätzchen" (ab
jetzt BS genannt) für 1.000 EUR Nennwert. Wir nehmen an, daß diese
BS im ersten Jahr mit 3% verzinst werden, im zweiten Jahr mit 3,5%, im
dritten Jahr mit 4%. Die weiteren Jahre sind uns egal, denn wir werden die
BS im dritten Jahr zurückgeben. Schauen wir uns die wichtigen Daten für
unser Beispiel in einer Tabelle an: Auflage des BS: 1. März 2007
Kauf am: 15. März 2007
Zinsen bis 28.2.2008: 3,0%
Zinsen vom 1.3.2008 bis 28.2.2009: 3,5%
Zinsen vom 1.3.2009 bis 28.2.2010: 4,0%
Rückgabe des BS: 31. Juli 2009
Wer genau hinsieht, stellt fest, daß die Tabelle auch das letzte
fehlende Datum ergänzt: Den Rückgabetag. Wir bekommen verschiedene
Zinssätze in verschiedenen Zeiten. Wir würden gerne wissen, was der Kauf
der BS genau kostet, was wir bei Rückgabe bekommen, und welche effektive
jährliche Rendite wir in dieser Zeit bekommen haben. Das Beispiel ist
übrigens völlig frei erfunden. Wer mehr über Bundesschatzbriefe erfahren
möchte, kann sich in unserer Anleihenserie
informieren.
Zur ersten Frage: Wieviel kostet der Kauf? Zunächst
muß man wissen, daß Banken und Sparkassen verpflichtet sind, für uns
Kunden BS gebührenfrei zu besorgen! Manchmal muß man die
freundlichen Damen und Herren an den Schaltern allerdings darauf stoßen.
Man braucht auch kein Bankdepot für BS, sondern kann sie bei der Bundesschuldenverwaltung (BSV) verwahren
lassen. Das ist ebenfalls gebührenfrei! Also kosten die BS nur den
Nominalwert von 1.000 EUR? Fast. Da wir sie nicht am Ausgabetag kaufen,
sondern am 15. März, müssen wir Stückzinsen für einige Tage zahlen, genau
15 an der Zahl.
Wir erinnern uns an die lineare Zinsberechnung, um
die Stückzinsen für diese 15 Tage zu berechnen. Im ersten Jahr gilt ein
Zinssatz von 3%. Von 1.000 EUR sind das 30 EUR. Verteilt auf 360 Tage ergibt
das 1,25 EUR Zinsen für 15 Tage. Wir müssen also 1.001,25 EUR für unsere BS
auf den Tisch legen. Danach übertragen wir die Papiere zur Verwaltung auf
die Bundesschuldenverwaltung.
Zeitsprung zum 31. Juli 2009: Wir
wollen die BS samt aufgelaufener Zinsen wieder verkaufen. Wieviel Zinsen
sind es? Dazu müssen wir schrittweise vorgehen, da wir jedes Jahr
unterschiedliche Zinssätze bekommen.
Für die Zeit vom 1. März 2007
bis zum 28. Februar 2008 bekommen wir 30 EUR Zinsen, das haben wir oben
bereits ausgerechnet. Ab dem 1. März 2008 muß uns der Bund demnach bereits
1.030 EUR verzinsen. Das tut er mit 3,5%. 3,5% von 1.030 EUR sind 36,05 EUR.
Das bedeutet, ab dem 1. März 2009 muss der Bund Zinsen für 1.066,05 EUR
bezahlen, aber nicht mehr für ein ganzes Jahr, da wir die Papiere am 31.
Juli zurückgeben. Das sind genau 150 Zinstage, denn der 31. März, der 31.
Mai und der 31. Juli sind zinsfrei. 4% von 1.066,05 EUR sind 42,642 EUR.
Davon 150 360stel sind 17,7675 EUR oder gerundet 17,77 EUR. Letztendlich
bekommen wir also 1083,82 EUR zurück. Keine umwerfende Summe, dafür aber
völlig sicher.
Da wir 1001,25 EUR bezahlt haben, haben wir insgesamt
82,57 EUR Gewinn gemacht. Das entspricht einer Gesamtrendite von
8,24669% Das gebe ich hier so genau an, um daraus die Jahresrendite
zu berechnen. Wir haben die BS 2 Jahre und 138 Tage gehalten. Das sind
anders ausgedrückt 2,37808 Jahre. Mein Taschenrechner sagt mir, daß wir
dadurch eine effektive jährliche Rendite von 3,388% erzielt haben.
Das liegt irgendwo im Rahmen der einzelnen Zinssätze, die uns der Bund
bezahlt hat und war so ähnlich zu erwarten.
Wenden wir uns nun
einem Beispiel zu, das uns an die Rentenbörse führt. Dabei kommt
ein zusätzlicher Faktor ins Spiel: Der Kurs einer Anleihe.
Bundesschatzbriefe kann man immer zum Nennwert kaufen und zurückgeben.
Börsennotierte Anleihen haben dagegen einen Kurs, der in Prozent vom
Nennwert angegeben wird. Hat ein Papier einen Nennwert von 1.000 Euro und
einen Kurs von z. B. 102,15%, dann muß man 1021,50 Euro dafür bezahlen.
Die Rechnung des ausführlichen Beispiels oben verändert sich dadurch
leicht, weil man bei Kauf und Verkauf nicht einfach den Nennwert + Zinsen
einsetzen kann, sondern noch den Kurs berücksichtigen muß.
Bei
einer normalen Anleihe werden allerdings im Laufe der Jahre Zinsen
ausbezahlt. Das verändert die Renditeberechnung grundlegend. Wie das geht,
schauen wir uns in einer späteren Folge an. Bei manchen Rentenrenditen,
die man veröffentlicht finden kann, wird davon ausgegangen, daß die
erhaltenen Zinsen kostenfrei wieder in dasselbe Papier angelegt werden, zu
einem fiktiven Kurs. Das ist in der Praxis gerade für uns Kleinanleger
nicht möglich. Nur Großanleger können die Handelskosten für solche
Berechnungen vernachlässigen, und üblicherweise legt man das Geld eben
nicht im selben Papier wieder an.
Schritt 1: Das 1x1 der Einmalanlagen
Schritt 2: Jährliche
Rendite
Schritt 3: Effektiv statt
nominal
Schritt 4: Anleihen - ein
Beispiel
Schritt 5: Leistet mein Geld
dasselbe wie ich?
Schritt 6: Zeitgewichtete
Rendite
Schritt 7: Woher kommt der
Kontostand?
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