Für das Kurs-Umsatz-Verhältnis gilt, was wir bereits über das
dynamische KGV gelernt haben: Je niedriger, um so größer das Potenzial einer
Aktie, eine Höherbewertung durch den Markt zu erfahren. Investoren suchen dabei nach Unternehmen, deren
Kurs-Umsatz-Verhältnis kleiner als 1 ist, um preiswerte Aktien aufzuspüren, die
vom Markt übersehen werden. Schauen wir uns also weitere Beispiele für die Anwendung des KGV an.
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist ein nützliches Werkzeug und wird oft
angewandt, um rasch wachsende Unternehmen, die Verluste aufweisen, zu
bewerten. Da diese Unternehmen erst in Zukunft Gewinne erzielen werden,
kann das Kurs-Gewinn Verhältnis nicht ermittelt werden. Es gibt ja noch
keine Gewinne. Firmen wie Amazon oder eBay konnten in den 90-er Jahren auf der Grundlage des
soundso vielfachen ihres Umsatzes bewertet werden. Die errechnete Kennzahl
können wir sodann derjenigen von vergleichbaren Unternehmen
gegenüberstellen.
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis hilft uns auch dann weiter, wenn ein
Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr Verluste gemacht hat.
Vorausgesetzt das Unternehmen meldet nicht Konkurs an, können wir mittels
des Kurs-Umsatz-Verhältnisses feststellen, ob die Erlöse des Unternehmens
im Verhältnis zu seinen Wettbewerbern mit einem Abschlag bewertet werden.
So kommt es beispielsweise in der von Konjunkturzyklen stark abhängigen
Automobilbranche immer wieder vor, dass auch große Fahrzeughersteller
zeitweise in die roten Zahlen rutschen. Heißt das, dass alle Autoaktien
mit einem Schlag nichts mehr wert sind und nicht mehr untereinander
verglichen werden können? Nein, keinesfalls! Anstatt des KGVs verwenden
wir eben das Kurs-Umsatz-Verhältnis, um zu ermitteln, wie viel wir für
einen Euro Umsatz anstatt für einen Euro Gewinn des betrachteten Unternehmens an
der Börse bezahlen.
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit des Kurs-Umsatz-Verhältnisses ist
der direkte Vergleich mehrerer Unternehmen einer Branche miteinander.
Sowohl das KGV als auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis werden herangezogen, um
den Unternehmenswert zu ermitteln. Hat beispielsweise ein Unternehmen ein
niedriges KGV, aber ein hohes Kurs-Umsatz-Verhältnis, so kann dies ein
warnender Hinweis für Anleger sein, dass im letzten Geschäftsjahr
möglicherweise einmalige Erträge den Gewinn pro Aktie hochschrauben.
Aber auch umgekehrt funktioniert diese Überlegung: Angenommen, die
Planungssicher AG hat - wider Erwarten - im vergangenen Geschäftsjahr
Verluste gemacht: Während das Kurs-Umsatz-Verhältnis der wichtigsten
Wettbewerber der Planungssicher AG bei 2,0 oder darüber liegt, wird die
Planungssicher AG aktuell bloß mit 0,5 bewertet. Angenommen, der
Planungssicher AG gelingt es, demnächst wieder Gewinne zu erwirtschaften,
haben ihre Aktien ein beträchtliches Aufwärtspotenzial, da sich das
Kurs-Umsatz-Verhältnis demjenigen der wichtigsten Wettbewerber nach und
nach annähern wird. Diese Annäherung des Kurs-Umsatz-Verhältnisses an
branchenübliche Durchschnittswerte über längere Zeiträume hinweg ist durch
Studien belegt.
Abschließend sei an dieser Stelle auch wieder darauf hingewiesen, dass
das Kurs-Umsatz-Verhältnis bloß einen Anhaltspunkt zur
Unternehmensbewertung darstellt. Wie die meisten Bewertungsmaßstäbe sollte
auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis in Zusammenhang mit anderen Faktoren, wie
beispielsweise die Wettbewerbssituation, (fehlende)
Markteintrittsbarrieren und Gewinn(aussichten) betrachtet werden.