Eigenkapital steht für die Summe Bargeld, welche die Aktionäre einer Firma
zur Verfügung gestellt haben. Da ja letztlich die Aktionäre
Eigentümer des Unternehmens sind und nicht das Management, stellt ihr
investiertes Kapital eine Forderung gegen die Aktiva des Unternehmens dar.
Die Eigenkapitalrendite ist ein Richtwert, wie viel Gewinn auf jeden
€ , der im Unternehmen steckt, erwirtschaftet wird. Was es damit auf sich hat, wollen wir auf dieser Seite klären.
Die Eigenkapitalrendite ist ein wichtiges Werkzeug im
Werkzeugkoffer der Unternehmensbewertung. Indem wir die
Eigenkapitalrendite ermitteln, sehen wir auf einen Blick, ob ein
Unternehmen Vermögen aufbaut oder vernichtet. Wir sehen, wie viel
Barmittel ein Unternehmen mit dem vorhandenen Eigenkapital zu schaffen in
der Lage ist. Beträgt die Eigenkapitalrendite beispielsweise 15%, bedeutet
das, dass das Unternehmen für jeden ursprünglich in das Unternehmen
investierten € 15 Cents Mehrwert im vergangenen Jahr geschaffen hat.
Daraus folgt, vorausgesetzt alle übrigen Rahmenbedingungen sind gleich,
dass ein Unternehmen umso erfolgreicher agiert, je höher seine
Eigenkapitalrendite ist. Oder in welches Unternehmen würde man wohl
lieber sein sauer verdientes Geld stecken - eines, das aus 100 €
innerhalb eines Jahres 105 € macht oder ein anderes, das 125 €
erwirtschaftet?
Wir ermutigen immer, dass man sich als Anteilseigner der Firmen begreift. Ja, ein Aktienkauf ist mehr als das
Bezahlen des Aktienkurses. Durch den Kauf von Aktien wird ein Unternehmen
zum eigenen Unternehmen. Klar, man besitzt es gemeinsam mit vielen anderen,
aber immerhin! Deshalb sollte man sich fortan auch interessieren, wofür
das Unternehmen Geld ausgibt. Wenn man beispielsweise erfährt, dass die
Vorstände sich mit großzügigen Bonuszahlungen, die sie kaum verdienen,
weil die Eigenkapitalrendite schon seit Jahren unter der des Sparbuchs
liegt, ihr Gehalt aufbessern, dann geht es ums eigene Geld. Das neu
renovierte Firmenchalet für strategische Klausuren in Gstaad, ja auch hier
wird auf Aktionärs Kosten gut gelebt.
Da die Konzernrechnungslegung eine durchaus komplexe Angelegenheit ist,
passiert es leicht, dass wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.
In diesem Beitrag wollen wir bloß einen Definitionsansatz leisten. An dieser Stelle wollen wir uns daher mit einem einfachen Beispiel zufrieden
geben, an dem wir das Konzept des Eigenkapitals und der
Eigenkapitalrendite erläutern:
Du machst eine Erbschaft und entscheidest Dich, um 300.000 € eine
Immobilie zu kaufen. Der Kauf geht glatt über die Bühne, und ein
unabhängiges Gutachten bestätigt, dass der Verkehrswert des Objekts
tatsächlich bei 300.000 € liegt. Am Tag der Eintragung ins Grundbuch sieht
Deine Bilanz daher folgendermaßen aus:
Aktiva
Eine vermietete Immobilie im Wert von 300.000 €.
Eigenkapital
Eingezahltes Aktienkapital 300.000 €.
Wie für alle Bilanzen gilt: Aktiva = Passiva, und darin: Passiva =
Fremdkapital + Eigenkapital.
Somit sind Deine Passiva gleich null. Die 300.000 €, die Du für den
Hauskauf aufgewendet hast, sind tatsächlich gleich dem eingezahlten
Aktienkapital, das Du in Dein Unternehmen investiert hast. Du hoffst, die
Immobilie vorwiegend an Studierende zu vermieten und damit jährlich 24.000
€ nach Steuern, also 8% auf Deine Anfangsinvestition zu verdienen.
Somit ergibt sich also eine Eigenkapitalrendite in Höhe von 8%
(24.000 € / 300.000 €). Und da es sich um ein Beispiel handelt, gehen wir davon
aus, dass Deine Studis alle ordentlich ihre Miete bezahlen, nichts
kaputtmachen und Deine Immobilie nicht besetzen. Am Ende des ersten Jahres
würde die Gewinn- und Verlustrechnung für Deine AG so aussehen:
Einnahmen 30.000 €
Nach Steuern 20% (6.000) €
Reingewinn 24.000 €
abzüglich Dividenden 0 €
nicht ausgeschütteter Gewinn 24.000 €
Und die Bilanz am Ende des ersten Jahres würde so aussehen:
Aktiva
Eine vermietete Immobilie im Wert von
300.000 €
Guthaben auf dem Konto 24.000 €
Eigenkapital
Eingezahltes Aktienkapital 300.000 €
nicht
ausgeschütteter Gewinn 24.000 €
Die Eigenkapitalrendite errechnet sich so:
Reingewinn
------------------
Eigenkapital
24.000 €
------------------ = 0,08 oder 8%
300.000 €
Der Nenner in der Gleichung zur Ermittlung der Eigenkapitalrendite kann
auf verschiedene Arten berechnet werden. In unserem einfachen Beispiel
sind wir von einem eingezahlten Aktienkapital in Höhe von 300.000 €
ausgegangen, um zu ermitteln, welche jährliche Rendite unsere kleine AG
erwirtschaftet. Einige Analysten setzen das Eigenkapital am Stichtag der
Schlussbilanz an (324.000 €, somit ein Eigenkapitalrendite von 7,4%), und
andere nehmen den Mittelwert aus der Eröffnungs- und Schlussbilanz
(312.000 €, somit ein Eigenkapitalrendite von 7,7%). Die Bilanzen der
meisten großen Unternehmen sind um einiges komplexer als unser Beispiel,
und am häufigsten wird im Nenner der Mittelwert aus der Eröffnungs- und
Schlussbilanz zur Bestimmung der Eigenkapitalrendite herangezogen. Aber
das Beispiel zeigt uns, wie unterschiedliche Bewertungsansätze zu ganz
unterschiedlichen Ergebnissen im Hinblick auf die Höhe der ermittelten
Eigenkapitalrendite führen. Die Unternehmensbewertung ist alles andere als
eine exakte Wissenschaft.
Das zweite Geschäftsjahr beginnt, und in der Eröffnungsbilanz wird das
Eigenkapital mit 324.000 € ausgewiesen. Bei einer angenommenen
Inflationsrate von jährlich 5% wird also der reale Wertzuwachs langsam
aber sicher abnehmen, es sei denn, wir erhöhen die Mieten. Aber auch dann,
wenn wir weiterhin 24.000 € Ertrag erzielen, sinkt die Eigenkapitalrendite
von 8% auf 7,4%, weil ja in der Eröffnungsbilanz das Eigenkapital mit
324.000 € zu Buche schlägt. Natürlich hätten wir auch den gesamten Gewinn
des ersten Geschäftsjahres (an uns selbst) ausschütten können, und unser
in der Eröffnungsbilanz ausgewiesenes Eigenkapital hätte dann 300.000 €
betragen, und der Ertrag des zweiten Geschäftsjahres wäre auf diese
niedrigere Ausgangsbasis bezogen gewesen. Praktisch alle Unternehmen
behalten zumindest einen Teil der Erträge ein und bilden Rücklagen, um zu
einem späteren Zeitraum reinvestieren zu können, in der Hoffnung dadurch
weiterzuwachsen. Ein gut geführtes Unternehmen ist in der Lage, seine
Eigenkapitalrendite regelmäßig zu steigern. Praktisch jede Firma kann den
Gewinn steigern, aber nur die besten erzielen regelmäßige Zuwachsraten bei
ihrer Eigenkapitalrendite.