Die Dividendenrendite ist der prozentuale Anteil des Aktienkurses, den
ein Unternehmen im Laufe eines Jahres als Dividende ausschüttet. Deutsche
Unternehmen zahlen in der Regel einmal jährlich Dividenden. In Amerika sollen Firmen auch schon mal quartalsweise auschütten. Bei größeren US-Firmen ist es aber weiterhin Brauch, wenn überhaupt, dann einmal im Jahr eine Dividende zu zahlen.
Die Dividendenrendite wird wie folgt berechnet:
Bardividende
----------------------------
aktueller Aktienkurs
Wir müssen also zuerst die Bardividende ermitteln: Im Zuge der
Dividendenbekanntmachung kündigen Unternehmen die auszuschüttende
Dividende an. Diesen Betrag finden wir im Jahresbericht verzeichnet. Ein
Beispiel dazu: Angenommen, ein Unternehmen kündigt an, pro Aktie 0,85 €
auszuschütten, und wir haben 30 Aktien von diesem im Depot, dann
erhalten wir demnächst eine Dividendengutschrift in Höhe von 25,50 € .
Somit wäre die Dividendenrendite:
0,85 (Bardividende)
-------------------------- = 0,00354906 = 0,35%
239,50 (in diesem Beispiel
hypothetisch angenommener Aktienkurs)
Die meisten Unternehmen schütten regelmäßig Dividenden an ihre
Aktionäre aus. Einige zahlen mehr als andere, in Abhängigkeit der
Wachstumsaussichten, der gebildeten und in der Bilanz ausgewiesenen
Rücklagen und der von dem Unternehmen verfolgten Ausschüttungspolitik. In
der Regel verhält es sich so, dass Unternehmen mit hoher
Marktkapitalisierung ihre Dividendenausschüttung jährlich im Gleichschritt
mit gestiegenen Gewinnen erhöhen.
Jetzt wissen wir also, wie Bardividenden und Dividendenrenditen
ermittelt werden, aber immer noch nicht, wie wir diese Kennzahlen zur
Unternehmensbewertung einsetzen. Die Dividendenrendite ist eine Kennzahl
mit einigen ganz sonderbaren Eigenschaften: Generell lässt sich sagen,
dass attraktive Dividendenrenditen mit Vorsicht zu genießen sind, für
viele Anleger ist diese Kennzahl aber gerade aufgrund
ihrer Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Schnörkellosigkeit von besonderem Reiz.
Es mag schon sein, dass wir ein Unternehmen mit einer Dividendenrendite
von, sagen wir 8,76% "entdecken" und daraus die Schlussfolgerung ziehen,
es sei nicht sinnvoll, unser Geld mit 4,75% jährlicher Verzinsung in
Bundesschatzbriefen veranlagt zu lassen. Aber Vorsicht ist - wie immer -
geboten. Unternehmen können in Schwierigkeiten geraten, Gewinnwarnungen
können gefolgt werden von Dividendenkürzungen, die wiederum einhergehen
mit einem Kursverfall. Der unvorsichtige Anleger sieht einem
Kapitalverlust - aufgrund des Kursverfalls - und obendrauf einem Verlust
aufgrund der nicht in der erwarteten Höhe erfolgten Dividendenzahlungen
entgegen. Ja, es sei an dieser Stelle noch einmal gesagt: Bundesschätzchen
bieten Sicherheit und im Voraus planbare Einnahmen, während Aktienanlagen
nie ohne Risiko sind.
Doch nun ein paar Worte zur oben angedeuteten mechanischen Strategie. Sie beruht darauf, dass wir regelmäßig in jene Unternehmen
investieren, die die höchste Dividendenrendite aufweisen: Statistische
Auswertungen der Kurse der in den Aktienindizes, wie beispielsweise dem
Dow Jones Index, dem Standard & Poor 500, dem FT-SE 100 oder dem DAX
30 enthaltenen Unternehmen zeigen, dass Unternehmen, deren Aktienkurse -
aus welchem Grund auch immer - vom Markt in einem Umfang runtergeprügelt
werden, so dass ihre Dividendenrendite relativ hoch ist, im Vergleich zu
den übrigen im Index enthaltenen Unternehmen tendenziell und über längere
Zeiträume eine bessere Kursentwicklung verzeichnen als die jeweiligen
Aktienindizes. Dies ist die reizvolle Erkenntnis, die wir aus der
vergleichenden Bewertung der Dividendenrendite erzielen.
Ein wichtiger Hinweis: Die dargestellte Gewinnerwartung hat sich geändert.
Die oben gemachten Angaben beziehen sich auf die Jahre 1974 bis 1999.
Analysen haben ergeben, dass diese hohen Ergebnisse nach 1999 nicht mehr zu erwarten sind.
Abschließend noch ein weiterer warnender Hinweis. Wenn ein Unternehmen eine
Dividendenrendite aufweist, die so hoch ist, dass irgendetwas daran "faul"
erscheint, dann sollte man sich auf sein Gespür verlassen. In den
meisten Fällen ist dann auch wirklich etwas faul mit dem Unternehmen.